Orientierungsprobleme, kleine Missgeschicke, Stürze

Schleichenden Sehverlust im Alter rechtzeitig erkennen

Pressekonferenz (7. Juli 2017) mit Franz Müntefering, Renate Reymann und Prof. Focke Ziemssen zur 2. Fachtagung (7./8. Juli 2017) des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) in Bonn: „Sehen im Alter: Prävention – Gemeinsam vorausschauend handeln“

Bonn/Berlin, 28. Juni 2017– Wenn Seniorinnen und Senioren Probleme mit der Orientierung haben, unsicher sind, stolpern oder stürzen, stecken nicht immer allein Demenz, eine Durchblutungsstörung oder Muskelschwäche dahinter. Vielmehr kann auch ein unerkannter Sehverlust die Ursache sein. Da dieser meistens schleichend verläuft, wird er zunächst oft nicht erkannt.  Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) empfiehlt deshalb im Vorfeld seiner 2. Fachtagung „Sehen im Alter“ am 7. und 8. Juli 2017 in Bonn, die Augen regelmäßig kontrollieren zu lassen und auch Pflegekräfte entsprechend zu sensibilisieren. Auf einer Pressekonferenz am 7. Juli in Bonn diskutieren Experten, wie Sehbehinderung im Alter vermieden oder herausgezögert werden kann und welche Vorsorgeuntersuchungen und Hilfsmittel die Betroffenen wirklich brauchen.

Wir werden immer älter und gehen mit zunehmendem Alter immer häufiger zum Arzt. Dabei stehen das Erkennen und Behandeln von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Stoffwechsels sowie orthopädischer Beschwerden im Mittelpunkt. Solange die Augen keine akuten Probleme verursachen, wird ihnen selten Aufmerksamkeit geschenkt. Doch die Evolution hat das menschliche Auge nicht darauf vorbereitet, 90 Jahre und länger seinen Dienst zu versehen: „Insbesondere das Detailsehen ist durch Alterungsprozesse bedroht“, sagt Professor Dr. med. Focke Ziemssen, stellvertretender Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen.

Der altersbedingte Verlust der Sehkraft entwickelt sich jedoch meist schleichend. Dadurch gewöhnen sich viele Betroffene daran, ohne das zunehmende Verschlechtern ihrer Sehfähigkeit bewusst wahrzunehmen. Viele verdrängen die fortschreitende Seheinschränkung so lange wie möglich und hoffen auf spontane Besserung. „Sie wissen, dass in der Folge Einschränkungen wie der Abschied vom Autofahren drohen“, erläutert Renate Reymann, Präsidentin des DBSV. Ein wichtiger Hinderungsgrund für regelmäßige Kontrollen seien aber auch fehlende Transportmöglichkeiten zum Augenarzt.  Besonders Menschen, die auf dem Land oder in einem Pflegeheim leben, seien davon betroffen.

Aus all diesen Gründen werden Augenerkrankungen oft zu spät entdeckt – und das kann gravierende Folgen haben. So sind etwa 4,5 Millionen Bundesbürger von der altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) betroffen, die unbehandelt zum Erblinden führen kann. „Doch wenn wir Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren, kann die moderne Augenmedizin häufig helfen und das Sehvermögen bewahren“, so Professor Focke Ziemssen, der auch Sprecher des 2014 gegründeten Aktionsbündnisses „Sehen im Alter“ ist. „Selbstständigkeit und soziale Teilhabe bleiben so länger erhalten.“

Auf Nummer sicher geht, wer ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig seine Augen kontrollieren lässt, auch wenn er keine Beschwerden hat. Man sollte dem altersbedingten Sehverlust besser „ins Auge blicken“, rät Renate Reymann. Die Gesundheit der Augen überprüfen zu lassen, gehöre genauso auf die Liste der Vorsorgeuntersuchungen wie regelmäßiges Blutdruckmessen, Blutzucker- und Gewichtskontrolle.

Welche Augenkrankheiten drohen, wie die Lebenssituation älterer sehbehinderter Menschen konkret verbessert werden kann und welcher Handlungsbedarf daraus resultiert, diskutiert Renate Reymann mit Franz Müntefering, dem Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), und Professor Focke Ziemssen auf einer Pressekonferenz am 7. Juli im Rahmen der Fachtagung „Sehen im Alter“ am 7. und 8. Juli 2017 in Bonn.

Veranstalter ist der DBSV in Kooperation mit der BAGSO und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Ihr Pressekontakt für Rückfragen:

Pressestelle der Fachtagung „Sehen im Alter“

Dr. Adelheid Liebendörfer/Heinke Schöffmann

Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart

Tel: 0711 89 31-173/442
Fax: 0711 89 31-167

E-Mail: liebendoerfer@medizinkommunikation.org
schoeffmann@medizinkommunikation.org

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