Bonner Erklärung

Das Risiko einer Augenerkrankung, die das Sehen bedroht, steigt mit zunehmendem Alter rapide an. Die Wissenschaft geht mittlerweile von über 7 Millionen Betroffenen in Deutschland aus. Die Dimension von Volkskrankheiten ist erreicht. Menschen, die einen Sehverlust erleiden, verlieren bis zu 80 Prozent der zuvor verfügbaren Informationen und in der Folge die Handlungsfähigkeit in beinahe allen Lebensbereichen.

Dabei gibt es Wege, den Menschen Selbstbestimmung, Aktivität und gesellschaftliche Teilhabe zu sichern: Neue diagnostische Verfahren und Therapien können in vielen Fällen Erblindung verhindern – Hilfsmittel, Rehabilitation, barrierefreie Gestaltung und Beratungsangebote können helfen, entstandenen Sehverlust zumindest teilweise auszugleichen.

Viele Personen, Initiativen, Projekte und Berufsgruppen haben sich bereits auf den Weg gemacht. Es ist Zeit für eine gemeinsame Strategie!

Aus vielen losen Enden wird ein engmaschiges Netz

Die Fachtagung „Sehen im Alter“ am 27. und 28. Juni 2014 hat Akteure zusammengeführt, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema befassen. Trotz exzellenter Konzepte Einzelner besteht nach wie vor ein großer Bedarf für konkrete Verbesserungen.

Die Fachtagung soll deshalb der Beginn eines gemeinsamen, abgestimmten Handelns sein. So können die Stärken der Partner zusammengeführt und zwei gemeinsame Ziele erreicht werden: vermeidbaren Sehverlust verhindern und Menschen mit Sehverlust eine optimale Unterstützung sichern!

Ziel 1: Vermeidbaren Sehverlust verhindern

  • durch Aufklärung, Prävention und Früherkennung
  • durch konsequente Therapie bereits beim zuerst betroffenen Auge
  • durch Sicherstellung der augenärztlichen Versorgung der Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen
  • durch die systematische Beseitigung aller Hindernisse und Versorgungslücken, die einer erfolgreichen Therapie im Wege stehen

Ziel 2: Menschen mit Sehverlust optimal unterstützen

  • durch barrierefreie Gestaltung von Produkten, Wohnung, Wohnumfeld und öffentlichen Räumen
  • durch sofort einsetzende Reha-Leistungen bei Sehverlust
  • durch angemessene Nachteilsausgleiche und Versorgung mit Hilfsmitteln
  • durch mehr Unterstützung für Mobilität und Transport, beispielsweise durch Begleitdienste
  • durch die konsequente Berücksichtigung des Sehvermögens in der Altenpflege
  • durch die systematische Beseitigung aller Hindernisse, die einer erfolgreichen Rehabilitation und umfassenden Versorgung im Wege stehen

Wir laden Personen und Organisationen aus allen Fachgebieten, die zur Verhinderung von Sehverlust und zur Versorgung sehbehinderter Menschen im Alter beitragen, zur Mitarbeit ein. Aus vielen einzelnen Leistungen muss ein engmaschiges Unterstützungsangebot werden, das den Menschen folgendes bietet:

  • Beratung und sinnvolle Maßnahmenpakete
  • Ineinandergreifen der Leistungen
  • Orientierung und Klarheit für die Betroffenen und ihre Angehörigen

Wir, die Unterzeichnenden, fühlen uns diesen Zielen verpflichtet und gründen das Aktionsbündnis „Sehen im Alter“.

 

Bonn, 28. Juni 2014

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