Aktionsplan 2022

Das Aktionsbündnis „Sehen im Alter“ setzt sich dafür ein, vermeidbaren Sehverlust zu verhindern und Menschen mit Sehverlust optimal zu unterstützen. Es versteht sich als Impulsgeber und als Akteur. Es setzt auf Innovation und Kooperationen. Dafür wirbt es um weitere Partner im Gesundheitswesen, in Politik und Gesellschaft.

Vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) im Jahr2014 gegründet, gehören dem Aktionsbündnis inzwischen 30 Fachverbände und Institutionen sowie 88 Expertinnen und Experten aus den Fachbereichen (Augen-)Medizin, Augenoptik, Rehabilitation, Altersforschung, Pflege, Politik, Verwaltung, Selbsthilfe und Seniorenvertretungen an.

Für die nächsten Jahre gibt sich das Bündnis folgenden Aktionsplan:

1. Das Sehen im Blick haben – Qualität in der Pflege verbessern

Das Aktionsbündnis fordert eine Qualitätsoffensive in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Der Bedarf hierfür ist durch Projekte und Studien belegt.

Neben einer Checkliste für den Erstkontakt werden dafür Mindeststandards der Barrierefreiheit und Angebote für Mitarbeiterschulungen bereitgestellt. Durch ein Siegel können Einrichtungen mit vorbildlicher Expertise und Barrierefreiheit ihre Qualität sichtbar machen.

Es sind weitere Handlungsbedarfe, Maßnahmen und Inhalte zu definieren, die helfen, das Sehen zu erhalten sowie die Sicherheit und die Aktivität von Senioren mit Sehbeeinträchtigung zu verbessern. Die Beteiligung am „Round-Table“ der Stiftung Auge zu den Erkenntnissen der „OVIS-Studie“ wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten

2. Versorgungsforschung stärken

Die junge Disziplin der versorgungsnahen Forschung steht auf dem Gebiet der sensorischen Beeinträchtigung erst am Anfang. Dennoch müssen unabhängig von Einzelinteressen und Kostenfragen  Unter- und Fehlversorgung ermittelt werden. Basierend auf einer Landkarte der Versorgungsforschung sollen Erkenntnisse transparent gemacht, Lücken identifiziert und Forschungsprojekte gezielt angestoßen und unterstützt werden. Belastbare Daten zu Ansätzen der Rehabilitation, der Telemedizin etc. können helfen, die Versorgungsplanung zu verbessern. Dazu will das Aktionsbündnis seinen Beitrag leisten.

3. Prävention für Millionen

Das Wissen um Erkrankungen und Risikofaktoren ermöglicht sinnvolle Prophylaxe und rechtzeitige Behandlung. Deshalb spricht sich das Aktionsbündnis für öffentlichkeitswirksame Aufklärungs- bzw. Präventions-Kampagnen zum Erhalt der Augengesundheit aus. Dafür werden die Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vertieft und weitere Partner gewonnen.

Geeignete Inhalte reichen von Risikofaktoren für altersbedingte Augenerkrankungen über sinnvolle Strategien zur Primärprävention in den ersten Lebensjahrzehnten bis hin zu Chancen von Früherkennung und verbesserter Behandlung für den Erhalt von Selbstbestimmung, Aktivität, Teilhabe und Lebensqualität im Alter.

4. Aktionsplan Rehabilitation und Teilhabe

Sehverlust wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und beeinträchtigt Alltagsaktivitäten,  vor allem in den Bereichen Informationsaufnahme, Kommunikation, Orientierung und Mobilität. Folgeerkrankungen, der Verlust der Selbstständigkeit, soziale Isolation und sogar Pflegebedürftigkeit drohen. Gleichzeitig fehlen spezifische Unterstützungsdienste und -leistungen für sehbeeinträchtigte Senioren.

Im Wissen um den Wert des Sehens und die besondere Lebenssituation von Senioren müssen deshalb bereits heute mögliche Einzelmaßnahmen der Rehabilitation bekannt gemacht und ausgebaut werden. Vorhandene Angebote der (mobilen) geriatrischen Rehabilitation sollen um den Aspekt der speziellen Förderung visuell beeinträchtigter Menschen ergänzt werden. Eine medizinisch ausgerichtete ganzheitliche Rehabilitation nach Sehverlust muss entwickelt und etabliert werden.

Dafür unterstützt das Aktionsbündnis wissenschaftlich begleitete Modellprojekte und die Zusammenarbeit mit der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation und der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation.

5. Netzwerke und Zusammenarbeit fördern

Die Aussicht auf konkrete Erfolge ist größer, wenn regionale Aktivitäten gestärkt und erfolgreiche Modellprojekte verstetigt und institutionalisiert werden. Deshalb werden weitere regionale Bündnisse zu „Sehen im Alter" in allen Teilen Deutschlands angestrebt. So kann sich die multidisziplinäre Zusammenarbeit in den Ländern fortsetzen und den Lebensalltag der betroffenen älteren Menschen wirksam verbessern. So können die Barrierefreiheit im Wohnumfeld, in den Einrichtungen des Gesundheitswesens etc. vorangebracht und spezifische Angebote ebenso wie inklusive Settings entwickelt werden.

Das Aktionsbündnis „Sehen im Alter“ versteht sich als multidisziplinärer Unterstützer und Begleiter zukunftsorientierter Initiativen und Projekte. Es schafft Synergieeffekte, nutzt diese und stärkt gemeinsame Modellprojekte.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten Fachtagung „Sehen im Alter" am 8. Juli 2017 in Bonn.